MIT2WO: Jüdischer Kulturverein 
setzt auf gesellschaftliche Integration

Hamburg, 18. November 2025. „Du und ich, was können, wir tun?” Die Antwort auf diese zeitaktuelle Frage der berühmten Schauspielerin und Autorin Peggy Parnass heisst MIT2WO. So benennt Giorgio Paolo Mastropaolo (53) seinen jüdischen Kulturverein, den er auf ihre Anregung 2022 in Hamburg gründete. Der Name entspringt dem hebräischen Begriff „Mitzva” und bedeutet „eine gute Tat”. Die Buchstaben des Vereinsnamen stehen für Mitmenschlichkeit, Interkulturalität, Toleranz, Zivilcourage, Wertschätzung und Offenheit.


 

„Wir gehören nicht zum Zentralrat der Juden und sind auch keine Konkurrenz zu seinen Gemeinden”, erklärt der ehrenamtliche Initiator der hauptberuflich als Dozent, Autor und selbstständiger Kosmetikhersteller tätig ist. Die deutliche Abgrenzung besteht nicht nur durch autarke Eigenständigkeit. Giorgio Paolo Mastropaolo: „Unsere Themen und Anlässe sind haben zwar meistens einen jüdischen Kern, aber wir sind ein multikultureller Verbund und grundsätzlich für alle Interessenten offen, die sich mit unseren humanistischen Leitideen identifizieren.”

 

Mit der 2025 verstorbenen Peggy Parnass (sel.A.) verband ihn eine langjährige Freundschaft, die auch von vielen intensiven Diskussionen über kritische Themen und Ereignisse geprägt war. Als zugleich bekennende und weltoffene Juden waren sie besonders vom neuzeitlichen Antisemitismus betroffen, der sich quasi ungehindert ausbreitet. So entstand die Idee zu dieser  Initiative, die sich im Vergleich zu anderen jüdischen Einrichtungen nicht abkapselt, sondern einen direkten und positiven Dialog mit der Öffentlichkeit sucht. Denn, so die Überzeugung der beiden Autoren, seien antijüdische Ressentiments oftmals einfach nur unbegründete Vorurteile, weil man zu wenig über das wenig transparente Judentum weiß.

 

 

Zentralrat und Gemeinden vertreten 
nur die Hälfte der Juden in Deutschland

 

80 Jahre nach der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus lebt ein großer Teil der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland noch immer in der Vergangenheit. Anders als in anderen westeuropäischen Ländern tun sich noch viele deutsche Juden mit einer gesellschaftlichen und sozialen Integration in ihre Wahlheimat sehr schwer. Selbst die hier geborenen Nachkriegsgenerationen scheuen ein unein­geschränktes Bekenntnis zu ihrem Land aufgrund fehlender Identitätskonzepte im Jüdischen Gemeindewesen, die ein neues und zeitgerechtes Bewusstsein bei den Mitgliedern erzeugen könnten. 

Im Zentralrat der Juden sind über 100 Gemeinden mit rund 100.000 Mitgliedern angeschlossen, die  allerdings nur die Hälfte der aktuell in Deutschland lebenden Juden vertreten. Die wirkliche Zahl von Bürgern jüdischen Glaubens in den 16 Bundesländern wird auf bis zu 200.000 geschätzt. Insbesondere jüngere Personen und Familien haben sich in keine Gemeinde eingeschrieben oder sind gar ausgetreten. Viele von ihnen stammen ursprünglich aus den ehemaligen GUS-Staaten. Hinzu kommen mittlerweile über 20.000 vornehmlich junge Israelis in Berlin, das mehr und mehr israelische Start-Ups anzieht. Diese jungen Menschen wollen nach vorn schauen und sich nicht über den Holocaust definieren.

 

Nach Ansicht von MIT2WO wäre es für die von der Politik in Bund und Ländern geschaffenen „Antisemitismus-Beauftragten” auch eine wichtige Aufgabe, alle Gemeinden zu motivieren, jüdisches Leben in einer Art und Weise zu gestalten, die alle Menschen dieses Glaubens einbindet und sie nicht vom gesell­schaftlichen und sozialen Umfeld ihres Lebens­­­mittelpunktes  abkoppelt. Der Wandel vom Juden in Deutschland zum deutschen Juden kann nur durch Integration statt Ausgrenzung erfolgen.

 

 

Jüdischer Kulturverein 
öffnet Türen und baut Brücken

 

Anders als der Zentralrat und die Gemeinden begrenzt MIT2WO seine wachsende Besorgnis nicht nur auf den Antisemitismus, der nur ein – wenngleich entscheidendes – Element der gesellschaftlich aktuellen Problematik ist. Der jüdische Kulturverein will sich gegen jede Form von Diskriminierung positionieren und sich grundsätzlich mit allen betroffenen Gruppierungen solidarisieren. 

„Unser Aufruf zur respektvollen Wertschätzung von Menschen aller Religionen, Hautfarben, Geschlechter und Lebenseinstellungen entspricht ganz der Weltanschauung unseres Glaubens und ist für unseren Verein ein globales Anliegen”, erläutert Giorgio Paolo Mastropaolo. Er ist davon überzeugt, dass diese grundlegende Wesensart des Judentums  der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Ach würde sich MIT2WO von anderen Institutionen darin unterscheiden, den Holocaust nicht für eigennützige Forderungen gleich welcher Art zu instrumentalisieren. Der Gründer: „Wir möchten Türen öffnen und Brücken bauen. Dabei leisten wir unabhängig und uneigennützig positive Beiträge für ein tolerantes und verständnisvolles Miteinander. ”

Ein zentraler Baustein ist die MIT2WO-Akademie, die mit unterschiedlichen Zielgruppen bedeutende Entwicklungen in lebhaften Dialogen hinerleuchtet und interessante Bildungsreisen organisiert.. Zu den Teilnehmern gehören auch Schulen und Bereiche der Hamburger Polizei. Giorgio Paolo Mastropaolo: „Bislang setzen wir unsere Projekte in verschiedenen Einrichtungen wie im Hannah Arendt Salon oder Theaterbühnen um. Mittelfristig möchten wir jedoch gern ein eigenes Zuhause finden, in dem wir unser Netzwerk erweitern können. Wir haben noch verschiedene Ideen in der Pipeline, die wir gern in einem eigenen Zentrum umsetzen möchten. 

 

DDie prinzipiell positiven Aktivitäten des Kulturvereins erhalten auch viel Zuspruch von nicht-jüdischen Mitgliedern, Freunden und Förderern. So haben sich namhafte Persönlichkeiten wie zum Beispiel die Schauspielerinnen Sandra Quadflieg und Marlies Engel, die Musikerinnen und Autoren Sonja Blattmann und Karin Derks, der Unternehmer und Kurator Gerrit Ernst (Gründungsmitglied), die Rabbiner Shlomo Bistritzky und Yehuda Teichtal, der ehemalige Bundesfinanzminister Manfred Lahnstein und seine Ehefrau Sonja sowie eine Vielzahl weiterer prominenter Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik angeschlossen. Giorgio Paolo Mastropaolo: „Es gibt so viele Menschen in diesem Land, die sich für jüdisches Leben interessieren und gegen Antisemitismus massiv demonstrieren.”


 

Eine besondere Position bei MIT2WO nimmt der bekannte Lichtkünstler, Autor und Theaterregisseur Michael Batz ein, der sich ehrenamtlich im Vorstand engagiert und alle Projekte von MIT2WO aktiv mitgestaltet. Für ihn spielt Licht als Medium der Schöpfung und Erkenntnis eine zentrale Rolle in der öffentlichen Kommunikation: „Da Licht immer eine elementare Dialogform ist, setzt in Augenblicken seiner Inszenierung eine Art Zwiesprache ein: Was erkannt wird, teilt sich mit, indem es sichtbar wird. Licht verbindet, bringt Menschen zusammen, lässt Momente zu einer gemeinsamen Erzählung werden. Licht ist Lebensmittel. Licht ist, was Menschen sich gegenseitig spenden müssen.”
 

 

 

Event auf dem Alsterschiff

Advent und Chanukka im Lichtblick

 

Auch in diesem Jahr verbindet MIT2WO das christliche Weihnachten und das jüdische Chanukka in einem leuchtenden Event auf der Binnenalster. Auf dem als „Licht-Bote”  gestalteten Alsterschiff werden Freunde und Mitglieder des Kulturvereins am 29. November um 18:00 zu einer zweistündigen Rundfahrt erwartet. Auf dem Programm stehen verschiedene Darbietungen und als weiteres Beispiel „guter Taten” die Vorstellung der vor 15 Jahren in Hamburg eröffneten „Praxis ohne Grenzen”,. Dieses ehrenamtlich betriebene Medizinzentrum versorgt Menschen ohne Versicherungsschutz.  Ehrengast ist ihr Gründer Prof. Dr. Peter Ostendorf, der lange Jahre als Chefarzt im Marienkrankenhaus tätig war und sich seit seiner Pensionierung mit viel Herzblut für diese Einrichtung engagiert.

Anmeldungen unter: kontakt@mit2wo.de. (€ 39 pro Person). Die Teilnehmerzahl ist aus Platzgründen begrenzt.

 

 

 

 

 

Einige herausragende Projekte von MIT2WO:

 

  • Erste Illuminierung am Holocaust-Denkmal in Berlin (im Rahmen der ersten Bildungsreise 2024)
  • Besuchsprogramm für ehemalige jüdische Hamburger Bürgerinnen und Bürger
    (gemeinsam mit Kulturbehörde seit 2024)
  • Illuminierung am Lagerhaus G, Hamburg 
    mit der Lagerhaus G Foundation (2024)
  • Erstes Buchprojekt  »Unsere Chance. Peggy Parnass schreibt« 
    Premiere mit Burghart Klaußner im Schauspielhaus (19.10.2025)
  • Jährliche Chanukka-Alsterrundfahrt seit 2022
    mit Licht-Inszenierungen u.a. als Drohnenshow
  • Hafentouren während BluePort-Event seit 2023
    mit Stiftung Denkmalpflege Hamburg
  • Uraufführung von Zuckerwunder (C)Hanukkah(K)a(H) in den Hamburger Kammerspielen (die erste jüdische Komödie nach 1945, 
    Autor: Giorgio Paolo Mastropaolo, Licht: Michael Batz, 2024)
  • Bustour zum Thema Humanität - Wo bist du?, Hamburg (2025)

 

 

 

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