Shalom, Herr Antisemitismus-Beauftragter!

…auch wenn Sie nicht (mit mir) reden müssen, werde ich gewiß nicht meinen Mund halten. Im Gegenteil: Je mehr Sie ihren Rücktritt als Antisemitismus-Beauftragter für persönliche Eigenwerbung instrumentalisieren, umso heftiger werden Sie weiterhin meine Kritik zu ertragen haben. Trotz der tränenrührenden Medienkampagne über die angeblich unzumutbaren Umstände ihres ach so aufopferungsvollen Engagement für das Judentum, dessen Zugehörigkeit Sie per angeblichem DNA-Test nachgewiesen haben wollen; stelle ich gleichwohl fest:

  1. Die u.a. im Stern und Times of Israel beklagten Umstände ihrer gescheiterten Mission haben Sie in keiner Weise konkretisiert. Das ist wie eine pauschale Krankmeldung ohne Angabe von Ursache und Symptomen. Die Öffentlichkeit erfährt also nicht, was Sie wirklich dazu veranlasst haben könnte, ein wohl schön privilegiertes Amt aufzugeben.
     
  2. Viele sprechen und schreiben über ihren Rücktritt; aber ich habe noch keine Zeile über ihre während der Amtszeit vollbrachten Taten gelesen. Was haben Sie in den vielen Jahren wann, wo und in welcher Form gegen Judenhass in ihrem Wirkungsbereich vollbracht (ausser ihren öffentlich bitteren Tränen über das angeblich erlittene Unrecht)?
     
  3. An ihren mit Steuergeldern finanzierten (? Vergnügungs-)Reisen u.a. nach New York haben teilweise mehrere Amtsträger aus jüdischen Institutionen (z.B. Jüdische Gemeinde) teilgenommen, denen das Jüdische Leben erheblich vertrauter sein dürfte, als einem neu konvertierten – also nicht gebürtigen – Glaubensbruder. Wollten Sie quasi die eigenen Leute für etwas gewinnen, was sie schon längst sind? 
     
  4. In ihrer mehrjährigen Arbeit (soweit man diesen Begriff im Zusammenhang mit ihrer Berufung überhaupt verwenden kann) haben Sie es – meines Wissens - bis heute versäumt, zum Beispiel der Hamburger Polizei für ihren engagierten, zuverlässigen und vor allem auch erfolgreichen Schutz jüdischer Einrichtungen öffentlich zu danken.
     
  5. Können Sie mir ein einziges Projekt oder Maßnahme nennen, in denen Sie zeitgemäße jüdische Identität vertreten haben? Zum Beispiel Selbstbewusstsein und Herkunftsstolz als deutscher Jude in der heutigen Zeit. Ihre mitleidserregende und naive Jammerei gegen Antisemitismus ist so wirkungsvoll, wie ein kleiner Wassertropfen auf einer glühenden Betonfläche.
     

Kurzum, ich habe Sie zwar als einen freundlichen Menschen kurz erlebt und möchte ihnen keine bösen Absichten unterstellen. Seien Sie froh, dass Sie persönlich so unbeschadet aus der Nummer herausgekommen sind. Aber hören Sie endlich auf, ihr Versagen für eine längst enttarnte Werbekampagne auf Kosten derer zu missbrauchen, bei deren Interessenvertretung Sie kläglich gescheitert sind.

 

 

Mit befremdlichen Grüßen, aber guten Wünschen.

 

 

Michel Rodzynek

 

 

Hamburg, 12. Dezember 2025

© 2026 Michel Rodzynek. Alle Rechte vorbehalten. 

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.