Sankt Peter Ording ist (k)eine Reise wert
Heimatlos in der „Zweiten Heimat“
12. September 2025. Sankt Peter Ording macht Saint-Tropez Konkurrenz. Warum also ganz nach Südfrankreich reisen, wenn es den Nepp schon quasi vor der Haustür gibt?
€ 5,90 für einen gewöhnlichen Cappucino, rund € 10 für einen Teller Frites und fast € 8 für einen halben Liter Wasser. So die üppigen Gastropreise an einer imbissstubenartigen Strandbar (Seemöve).
In Punkto Abzocke steht der gut bürgerliche Ferienort an der Nordsee dem prominenten Hotspot an der Côte d’Azur nicht nach. Erhebliche Unterschiede gibt es indes bei Qualität und Service.
Obgleich sich SPO in den letzten Jahren zu einem auch überregional gefragten Reiseziel entwickelt hat, konnte die nordfriesische Gemeinde ihr provinzielles Lokalkolorit noch nicht ganz ablegen.
Selbst führende Hotels wie beispielsweise die „Zweite Heimat“ erfüllen nur bedingt die durch ihre vielversprechende Werbung erzeugten Erwartungen. Bei Tagespreisen von immerhin über € 300 zum Saisonende (Mitte September) fehlt es an grundlegenden Annehmlichkeiten wie Zimmerservice oder eine Minibar. Sogenannte Selbstbedienungs-Stationen auf den Fluren wären vielleicht eine Alternative, wenn sich die Tarife für Getränke und „Knabbereien“ (Berechnung über selbst auszufüllende Verzehrlisten) nicht am Niveau von Häusern mit Full-Service orientieren würden. Die Personalersparnis dokumentiert sich auch durch die telefonisch eingeschränkte Erreichbarkeit der nur zeitweise besetzten Rezeption. Erforderliche Reservierungen im Hotelrestaurant erschweren sich durch fehlende Angaben der entsprechenden Telefondurchwahl.
Aber das sind vergleichsweise nur kleine Einschränkungen. Weit entfernt von der eigenen Heimat ist die Bettenqualität in diesem erst 2023 eröffneten Haus, dessen durchgelegenen Matratzen so nachgiebig weich wie ein reifer Camembert sind.
Motto „Schlaflos in Sankt Peter“.
Da hilft auch die herrliche Nordseeluft nicht, heftige Rückenbeschwerden und ein gähnender Morgen sind die unvermeidbaren Folgen.
Nicht zu verschweigen die unergiebige Diskussion mit dem Jungfräulein an der Rezeption. „Nein, das ist uns völlig neu. Die Betten sind ja erst zwei Jahre alt.“ Ein Gespräch mit dem Management war urlaubsbedingt ebenso wenig möglich, wie eine schmerzlindernde Massage. „Ich kann ihnen aber unsere Massagesessel im Spa anbieten.“
Nein, mit dem bezeichnenden Namen „Zweite Heimat“ suggerieren die Hoteliers etwas, was sich wahrhaftig nicht erfüllt. Heimat, das wäre Wohlbefinden. Vertrautheit, Geborgenheit und Fürsorge.
„Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl“. So steht es auf dem großen Bild am Eingang.
Ich fühlte mich völlig heimatlos.
